Schematherapie

Die Schematherapie nach Jeffrey Young wird als Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie zu der sogenannten dritten Welle in der Verhaltenstherapie gerechnet. Dieser integrative Ansatz verbindet dabei erlebnisaktivierende, übende und kognitive Techniken zu einem konsistenten therapeutischen Vorgehen. Davon profitieren insbesondere Patient*innen mit tiefgreifenden und komplexen Störungsbildern, bei denen sich Standardinterventionen oft als nicht ausreichend erwiesen haben.
Wesentliche Elemente der Therapie sind die Identifizierung und Bearbeitung der frühen maladaptiven Schemata des*r Patient*in sowie der dazugehörigen (dysfunktionalen) Bewältigungsstrategien. Mit Hilfe des Modusmodells (Young, erweitert durch Arntz et al.) können die aktuell vorherrschenden Modi beschrieben, konzeptualisiert und behandelt werden.
Die Basis der schematherapeutischen Behandlung ist eine differenzierte therapeutische Beziehungsgestaltung. Dabei wird versucht, den frustrierten kindlichen Kernbedürfnissen systematisch entgegenzuwirken ("limited reparenting").

Schematherapie und biografisch-systemische VT

Schematherapie (ST) ist eine ideale Ergänzung zur biografisch systemischen Verhaltenstherapie, wie wir sie im IVAH unterrichten. In der biografisch-systemischen Verhaltenstherapie (BSVT) suchen wir immer die biografischen Wurzeln von Problemen und bezeichnen diese als Entstehungsbedingungen der Problematik. Die Schematherapie konzeptualisiert nun solche Problembedingungen in Form von 18 Schemata. Schemata wie z. B. "Im Stich gelassen", "Emotionale Entbehrung", "Misstrauen/ Missbrauch" oder "Anfälligkeit für Krankheiten und Schädigungen" fassen negative biografische Erfahrungen zusammen und machen deutlich, dass solche Erfahrungen im späteren Lebensverlauf wieder aktiviert werden können und dann zu einem Problem für den Menschen werden.

Was soll man zuerst lernen?

In der Regel ist es am besten, dass man zuerst eine solide Ausbildung in biografisch-systemischer Verhaltenstherapie absolviert und sich dann zusätzliche Kenntnisse in Schematherapie aneignet. Die umfassende und grundlegende Ausbildung in biografisch-systemischer Verhaltenstherapie (BSVT) führt zu einem umfassenden Kenntniserwerb in Diagnostik und Therapie psychischer und psycho-somatischer Störungen und bietet gleichzeitig auch eine wissenschaftliche Grundorientierung und klinisch-psychologische Fundierung an, mit der man sich in Zukunft neue Informationen und wissenschaftliche wie therapeutische Entwicklungen besonders gut erschließen kann. 

Lernt man die Ansätze in dieser Reihe, wird einem vieles in der Schematherapie schon aus der biografisch-systemischen Verhaltenstherapie vertraut sein und der Erwerb zusätzlicher Kenntnisse und Fähigkeiten ist relativ einfach, da ST eben gut in die BSVT passt bzw. an diese einfach "anschließt".

Elemente der Schematherapie schon in der BSVT-Ausbildung

Um diese Passung noch weiter zu verbessern, haben wir begonnen, bestimmte Elemente der Schematherapie schon im Rahmen der Ausbildung in BSVT einzuführen.

Hierzu eignet sich das Konzept der Schemata, das eng an die Grundannahmen und die automatischen Gedanken von Beck anschließen. Durch den Einsatz entsprechender Schemafragebögen kann der Verhaltenstherapeut sein Verständnis der Grundannahmen und somit der quasi bei einem Patient*innen aktivierbaren Motive deutlich erweitern. An therapeutischen Techniken bieten sich insbesondere Stuhldialoge und Imaginationsübungen aus der Schematherapie an, zumal auch schon im üblichen verhaltenstherapeutischen Vorgehen mit Imaginationen und Rollenspielen gearbeitet wird. Durch die Einführung in die Schematherapie und die Nutzung der schematherapeutischen Fragebögen einerseits und die Verwendung von Techniken wie Stuhldialog und Arbeit mit imaginativer Umstrukturierung andererseits kann man schon während der Ausbildung in BSVT einige Elemente der Schematherapie kennenlernen.

Schematherapie ist aber ein spezifischer Ansatz innerhalb der VT

Dennoch ist Schematherapie ein therapeutischer Ansatz innerhalb der Verhaltenstherapie, der sich durch eine gewisse "geschlossene Ganzheit" auszeichnet. Diese Ganzheit äußert sich in aufeinander bezogenen diagnostischen und therapeutischen Annahmen wie Grundhaltungen und auch in der Verwendung einer spezifischen Schema- und Modussprache, gerade auch dem*r Patient*in gegenüber.

Deshalb entscheiden sich viele Ausbildungskandidat*innen des IVAHs auch nach Ende der biografisch systemischen Verhaltenstherapieausbildung und Approbation noch eine Fortbildung in Schematherapie anzuschließen um diesen spezifischen Ansatz mit seinen ganz genau definierten Ausformulierungen auch erlernen zu können.

Schematherapiefortbildung am IVAH

Das IVAH bietet eine Fortbildung in Schematherapie unter Leitung von Dr. phil. Gerhard Zarbock und mit Dozent*innen und Trainer*innen aus Deutschland, Europa und den USA an. Die Schematherapiefortbildung ist integraler Teil des IVAH, ist aber auch im Sinne der internationalen Schematherapiegesellschaft ISST e.V. (International Society of Schema Therapy e.V.) als Trainingsinstitut "ST am IVAH" anerkannt.

"ST am IVAH" zeichnet sich als Institut durch Folgendes aus:

  • Kleine Kursgruppen ab 10 – 18 Teilnehmenden
  • moderne Didaktikangebote (Kompetenz-Trainings-Spirale, Micro-Teaching von Skills, Videofeedback)
  • Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit der Schematherapie im Training
  • Kostenfreie, zusätzliche Angebote im Sinne der Qualitätssicherung der eigenen schematherapeutischen Arbeit (PTherapie-Verlaufs-Monitoring)
  • Angebote an Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Schematherapie mitzuarbeiten
  • Preisgestaltung auf Basis der Gemeinnützigkeit des Trägers IVAH

Fall Sie Fragen zum Fortbildungsangebot haben, kontaktieren Sie uns bitte unter fortbildung@ivah.de

Curriculum 2019/2020

  • WS 1: Einführung in die Schematherapie (Zarbock) 27./28.09.2019
    Inhalte: u.a. Überblick über die einzelnen Schemata und deren Bewältigungsstile; Einführung des Moduskonzepts; normative Entwicklungspsychologie, Einfluss der Temperamentsfaktoren, begrenztes Re-Parenting (Nachbeelterung); kognitive, behaviorale und erfahrungsbasierte Strategien; Einsatz von Hausaufgaben
    weitere Informationen und Anmeldung
  • WS 2: Erfahrungbasierte Techniken in der ST (Archonti) 08./09.11.2019
    Inhalte: u.a. Affektbrücke, Schema-Trigger und Kindheitserfahrungen, biografische Schlüsselepisoden, Imaginäres Re-Scripting
    weitere Informationen und Anmeldung
  • WS 3: Modusarbeit / Stühlearbeit in der ST (Hinrichs) 21./22.02.2020 (Achtung Terminänderung!)
    Inhalte: u.a. Modus-Identifikation, Modus-Konflikte, Modus-Dialoge, Arbeit mit mehreren Modi mit Hilfe von Stühlen
    weitere Informationen und Anmeldung
  • WS 4: Kognitiv-behaviorale Strategien (Eßmann) 24./25.04.2020
    Inhalte: u.a. Arbeit mit Flashcards, Tagebüchern, Schema- und Modus-Memos, Hausaufgaben, Verhaltensexperimente
    weitere Informationen und Anmeldung
  • WS 5: Beziehungsarbeit und schwierige Situationen in der ST (Calzoni) 19./20.06.2020
    Inhalte: u.a. Arbeit mit der therapeutischen Beziehung: begrenzte Selbstöffnung, Modusarbeit mit BPD und NPD sowie distanziertem Beschützer-Modus; begrenztes Re-Parenting, emphatische Konfrontation, Begrenzen, Konfrontation mit maladaptiven Coping-Stilen und bestrafendem- bzw. forderndem Eltern-Modus; Therapeut*innen-Schemata: Bewältigung von Hindernissen in der Therapie, wenn bei dem*r Therapeut*in durch bestimme Patient*innentypen eigene Schemata aktiviert werden; Einsatz von Rollenspielen
    weitere Informationen und Anmeldung
  • WS 6: Fallkonzeptualisierung und Therapieplanung (Frank-Noyon) 17./18.01.2020
    Inhalte: u.a. Fallkonzeption in Schema-Terminologie; Behandlungsplanung; Klärung von Zielen und Bedürfnissen
    weitere Informationen und Anmeldung

Jeweils Freitag 16:00 – 19:00 Uhr & Samstag 09:30 Uhr – 16:30 Uhr

Ort: IVAH, Institut für Verhaltenstherapie-Ausbildung gGmbH, Hans-Henny-Jahnn-Weg 53, 22085 Hamburg (die Veranstaltung findet im neuen Vortragsraum ("IVAH-Salon") statt und ist über die Dachterrasse im 3. Stock der Kinderambulanz des IVAHs zu erreichen).

Wenn Sie sich für das gesamte Curriculum anmelden möchten, wenden Sie sich bitte per E-Mail an fortbildung@ivah.de

Kosten

Je Workshop (12 FE) 240,00 € (erm. 220,00 € bei DVT/DPtV-Mitgliedschaft, 200,00 € für Dozent*innen, Supervisor*innen und Alumni des IVAH)

Bei Buchung des gesamten Curriculums (WS 1-6) erhalten Sie einen Preisnachlass in Höhe von 10 % (statt 1440,00 € erm. 1296,00 €, erm. 1188 € bei DVT/DPtV-Mitgliedschaft bzw. 1080,00 € für Dozent*innen, Supervisor*innen und Alumni des IVAH).

Wenn Sie sich für das gesamte Curriculum anmelden möchten, wenden Sie sich bitte per E-Mail an fortbildung@ivah.de

Dozent*innen

Dipl.-Psych. Dr. Christina Archonti

Psychologische Psychotherapeutin (VT)

Supervisorin und Dozentin für Verhaltenstherapie und Schematherapie. Zertifizierte Trainerin für Schematherapie, Ausbildung in DBT.

Dozentin und Lehrtherapeutin beim ZPP (Mannheim), bei der GAP und FIVE-APP (Frankfurt am Main), Lehraufträge beim DGVT, AFP
Klinische Schwerpunkte: Schematherapie, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen v.a. BPS.
Aktuelle Veröffentlichung  (Hrsg.): Schematherapie bei Essstörungen

 

Dipl.-Psych. Raffaella Calzoni

Psychologische Psychotherapeutin (VT)

Niedergelassene Psychotherapeutin in eigener Praxis (Frankfurt). Leiterin des Instituts "Dialogo Schema Therapy" (It.). Dozentin, Supervisorin (für Schematherapie und Verhatenstherapie) an verschiedenen WB-Instituten.

Arbeitsschwerpunkte: Impact Techniken in der Schematherapie, Arbeit mit Existenziellen Aspekten und Werten in der Therapie, Therapeutische Beziehung,. Persönlichkeitsstörungen (v.a. Narzisstische Persönlichkeitsstörung), Selbsterfahrung.

 

Dipl.-Psych. Ralf Eßmann

Psychologischer Psychotherapeut (VT)

Abteilungspsychologe in der EOS-Klinik Münster für den Bereich der Behandlung von Patient*innen mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung, Supervisior (VT und Schematherapie), DBT-Therapeut, Dozent für Verhaltenstherapie und Schematherapie.

Arbeitsschwerpunkte: Patient*innen mit emotional-instabiler Persönlichkeitsstörung

 

Dipl.-Psych. Julia Hinrichs

Psychologische Psychotherapeutin (VT)

Schematherapeutin, Dozentin und Supervisorin für Verhaltenstherapie und Schematherapie.

Studium der Psychologie in Frankfurt am Main bis 2002, Approbation zur psychologischen Psychotherapeutin 2007. Seit 2003 bis heute ambulante Psychotherapeutin, zunächst in der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Universität Frankfurt, seit 2010 in eigener Praxis, inzwischen mit Kassenzulassung. Behandlung von Erwachsenen und Paaren.
Seit 2013 schematherapeutische Zusatzausbildung, 2015 Zertifizierung (Advanced Certification) durch die International Society of Schema Therapy (ISST e.V.). Lehre an mehreren Ausbildungsinstituten für Verhaltenstherapie und Schematherapie.

 

Dipl.-Psych. Dr. phil. Gerhard Zarbock

Psychologischer und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Geschäftsführer und Ausbildungsleiter des IVAH. Supervisor für Verhaltenstherapie und Schematherapie, Gutachter der GKV und Beihilfe, Fortbildung in klinischer Hypnose (MEG), seit 1989 in der verhaltenstherapeutischen Versorgung tätig. Publikationen zur biographischen Orientierung in der Verhaltenstherapie (u.a. Praxisbuch VT, 3. Aufl., 2011), zur Achtsamkeit (Achtsamkeit für Psychotherapeuten und Berater, 2012) und zur Schematherapie (u.a. Schematherapie für Kinder und Jugendliche, im Erscheinen). Arbeitsschwerpunkte: Posttraumatische Belastungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen (insbesondere Borderlinestörung), Schematherapie (Young) und achtsamkeitsbasierte Verfahren sowie Verhaltenstherapie bei Kindern, Jugendlichen und Jungerwachsenen.

Fon 040 - 6 07 72 21 - 0
E-Mail gerhard.zarbock@ivah.de

Tel. Sprechzeiten Mo., Mi., Do. & Fr. 9:00 - 12:45 Uhr, Di. 10:00 - 12:45 Uhr

Kontakt Fortbildungsangelegenheiten

Portrait Axel Ammann

Dipl.-Psych. Axel Ammann
Psych. Psychotherapeut

Mo., Mi., Do. 14-15, Di. & Fr. 12-13 Uhr
Fon 040 - 6 07 72 21 - 17
Fax 040 - 6 07 72 21 - 51
E-Mail fortbildung@ivah.de